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April 2014
Stefan Gigers Blog

Spitaltarife: Gefährliche Radikalkur des Preisüberwachers

20.04.12

Spitaltarife: Gefährliche Radikalkur des Preisüberwachers

VON: BEAT RINGGER

Der Preisüberwacher empfiehlt, die Spitaltarife um fast einen Fünftel zu senken. Die Personalverbände vpod und VSAO lehnen eine solche Senkung vehement ab. Sie erachten sie als gefährlich für Patientinnen und Patienten, weil sie nur über einen massiven Abbau an Fachpersonal zu erreichen wäre.

Der Preisüberwacher hat zum ersten Mal zu einem DRG-Spital-Tarif Stellung genommen (Berner Zeitung, 14.4.2012). Es handelt sich um den Tarif (Basispreis) der Klinik Hohmad in Thun, der unter dem neuen Regime der DRG-Spitalfinanzierung ausgehandelt worden ist. Kassen und Klinik hatten sich auf einen Basispreis von 9150 Franken geeinigt. In seiner Stellungnahme empfiehlt der Preisüberwacher der Kantonsregierung nun eine Senkung des Tarifs um 18 Prozent auf 7477 Franken. Die zuständige Leiterin des Spitalamts im Kanton Bern meint dazu in der BZ: „Wenn dies Schule machen sollte – dann gute Nacht.“

Die Personalverbände vpod und VSAO lehnen diese Tarifempfehlung vehement ab. 70 Prozent der operativen Ausgaben eines Spitals sind Personalkosten. Eine Senkung der Tarife im Ausmass von fast 20 Prozent wäre eine Radikalkur sondergleichen. Folgen wären ein massiver Abbau von qualifizierten Fachleuten und erheblich mehr Stress für das verbleibende Personal. Damit wäre eine sichere Behandlung und Pflege von kranken Menschen bedroht. Zudem kämen Löhne und Lohnnebenkosten unter Druck, und die in vielen Spitälern schon heute oft vernachlässigte Einhaltung des Arbeitsgesetzes würde noch weiter unterlaufen. Auch bei Medikamenten, Hilfsmitteln, Therapien usw. müsste gespart werden.

Bei der Behandlung und Pflege von kranken Menschen versagen die Alltagsmethoden des Preisüberwachers. Es geht hier nicht um Süssgetränke oder Holzschrauben, sondern um die Gesundheit der Bevölkerung und sehr oft um ein würdiges Leben oder Sterben von leidenden Patientinnen und Patienten.

Seit mehreren Jahren machen der vpod und der VSAO darauf aufmerksam, dass die neue Spitalfinanzierung erhebliche Gefahren für die Versorgungsqualität der Bevölkerung und für die Arbeitsbedingungen des Gesundheitspersonals birgt. Jetzt zeichnet sich eine deutliche Verschärfung der Auseinandersetzungen ab. vpod und VSAO werden alles in ihrer Kraft Stehende tun, die Interessen des Personals und der Patientinnen und Patienten zu verteidigen.


Keine Radikalkur im Gesundheitswesen! (Foto: gornist - Fotolia.com)